EINFÜHRUNG VON STRAFGEBÜHREN

Falsche Adressen auf Briefen kommen Schweizer Firmen bald teuer zu stehen. Die Post will neu Gebühren für Brief-Rücksendungen einführen. Damit verteuert sich der Briefversand um 40 Millionen Franken

VON BEAT SCHMID

Der Ständerat entschied diesen Dienstag, das Monopol der Schweizerischen Post bei Briefen bis 50 Gramm auf Jahre hinaus zu schützen. Er korrigierte damit seine frühere Haltung, private Anbieter in diesem Bereich zuzulassen. Am Montag, also einen Tag vor dem denkwürdigen Rückzieher des Ständerats, verschickte die Post einen Brief an Geschäftskunden, worin sie die Einführung eines «Preissystems» bei Retouren von Monopolbriefen ankündigte.

Die Post verlangt neu bis zu 81 Rappen für die Rücksendung eines nicht angekommenen B-Post-Briefs – also fast gleich viel wie der Versand (85 Rappen). Selbst für die «einfache Entsorgung» des Briefs als «Altpapier» verlangt der gelbe Riese neu 10 Rappen. Betroffen sind B-Post-Sendungen von Firmen wie Geschäftskorrespondenz, Zeitschriften, Magazine und adressierte Werbesendungen. Dies entspricht dem Löwenanteil sämtlicher Briefpostsendungen. Private sind ausgenommen und müssen in Zukunft keine Extragebühren für die Weiterleitung ihrer B-Post bezahlen.

Die Post schreibt ihren Kunden, dass sie die Rücknahmen bei der B-Post bisher gratis an den Absender zurücksandte. «Diese Rücksendungen verursachen Kosten von etwa 40 Millionen Franken pro Jahr.» Ab April 2011 «belasten wir die Kosten dem jeweiligen Absender».

Noch ist dies nicht definitiv. Die Einführung eines Preissystems für Retouren kann die Post nicht von sich aus beschliessen. Da die B-Post Teil der Grundversorgung ist, muss der Bundesrat diese Änderung erst bewilligen. Die Post erwartet den Entscheid des zuständigen Departements Anfang 2011.

Es ist der Versuch von Postchef Jürg Bucher, Kosten aus der Grundversorgung herauszulösen und sie den Kunden zu verrechnen. Einmal herausgelöst, kann sie die Tarife eigenmächtig ändern, ohne sie vorher dem Bundesrat vorlegen zu müssen. Auch in anderen Bereichen greift sie zu diesem Trick.

Die Wirtschaft ist entsetzt über das Vorgehen der Post. Dominique Reber, Geschäftsleitungsmitglied des Dachverbands Economiesuisse und zuständig für das Infrastruktur-Dossier, sagt dazu: «Preiserhöhungen sind eine klare Konsequenz, wenn das Monopol bestehen bleibt.» Die Post versuche mit ihrem Vorgehen, die «Marge zu maximieren».

Das neue Rücknahme-Preissystem setzt zudem einen perversen Anreiz: Je weniger Briefe auf direktem Weg beim Empfänger ankommen, umso besser ist das für die Post. Sie kann für den Versand eines B-Post-Briefes bis Fr. 1.66 (85 Rappen für den Brief; 81 Rappen für die Rücknahme) in Rechnung stellen. Pikant ist, dass die Post seit jüngster Zeit bei selbst kleinsten Fehlern bei der Adressierung die Briefe nicht mehr zustellt. Wie die Zeitschrift «K-Tipp» diese Woche berichtet, gelangen immer mehr Leser des Blattes an die Redaktion und beschweren sich über die pingelige Zustellpraxis.

Wer beispielsweise «3800 Matten bei Interlaken» statt «3800 Interlaken» aufs Couvert schreibt, bekommt den Brief zurück mit dem Vermerk: «Empfänger konnte nicht ermittelt werden.» Oder wenn bei der Hausnummer statt «5B» nur «5» steht, kommt der Brief ebenfalls zurück. Noch absurder: Steht im Telefonbuch korrekt «Ursula Kunz (-Hässig)», aber auf dem Brief «Ursula Hässig» kommt der Brief ebenfalls retour mit dem Vermerk: «Unbekannt».

Die Post sieht keinen Zusammenhang zwischen der bizarren Zustellpraxis und der Einführung von Strafgebühren für Retouren: «Es liegt im ureigensten Interesse der Post, dass Sendungen zugestellt werden. Die Post bemüht sich, alle Sendungen – auch Sendungen mit kleinen Fehlern in der Adresse – dem richtigen Empfänger zuzustellen.»

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