Mehrere tausend Lehrerinnen und Lehrer aus dem ganzen Aargau versammelten sich am 8. November in Aarau, um gegen den von der Regierung geplanten Bildungsabbau zu protestieren. Unter den Demonstranten befanden sich auch Lehrpersonen aus Döttingen. Für diese Abwesenheit während der Unterrichtszeit haben sie inzwischen von der Schulpflege die überraschende Quittung erhalten. Den Lehrpersonen, die wegen der Teilnahme an der Kundgebung an jenem Dienstagnachmittag im November keinen Unterricht in Döttingen erteilt haben, wurden die ausgefallenen Lektionen vom Lohn abgezogen. Betroffen vom Lohnabzug sind 16 Lehrpersonen.

"Konfrontation nicht hilfreich"

Beim Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv) sorgt der Lohnabzug für Irritation. «Für mich ist es unverständlich, dass die Schulpflege Döttingen mit einer solchen Massnahme auf die Lehrpersonen reagiert, die nichts anders getan haben, als das ihnen zustehende Streikrecht wahrzunehmen», sagt Kathrin Scholl, die stellvertretende Geschäftsführerin des Verbandes. Es hätte doch genug andere Möglichkeiten gegeben, um den Stundenausfall zu kompensieren.

«Ich halte diese Form der Konfrontation für nicht besonders hilfreich», sagt Scholl. Der Verband hat beschlossen, den Mitgliedern des alv aus Döttingen den Lohnverlust durch Zahlungen aus dem Hilfsfonds zu ersetzen; es geht dabei um einen Betrag von 200 Franken pro Person.

Grundsätzlich darf die Schulpflege in einem solchen Fall Lohnkürzungen vornehmen. Dies bestätigte das kantonale Bildungsdepartement schon im Vorfeld des 8. Novembers. «Es gibt kein Streikverbot für Lehrpersonen», sagte Simone Strub, Leiterin Kommunikation. Aber Strub hielt damals auch fest: «Für die Dauer eines Streiks besteht für den Arbeitgeber keine Lohnzahlungspflicht.» Gleichzeitig riet das Bildungsdepartement den Schulbehörden auch, man solle Vernunft walten lassen und die ausgefallenen Lektionen im Rahmen der Jahresarbeitszeit kompensieren.

Kompensation verweigert

Was ist da in Döttingen passiert? Die Nachfrage bei Claudia Simon, der Schulpflegepräsidentin von Döttingen ergibt, dass der Lohnabzug nicht aus heiterem Himmel passierte, sondern eine Vorgeschichte hat, die bis in die Zeit vor der Kundgebung zurückreicht: «Die Schulpflege hat es ausdrücklich begrüsst, dass auch Lehrpersonen von unserer Schule an der Kundgebung teilnehmen», sagt Simon. Aber man habe von Anfang an klar kommuniziert, dass die ausgefallene Unterrichtszeit kompensiert werden müsse. Doch nach der Kundgebung hätten viele Lehrpersonen von der Kompensation nichts mehr wissen wollen. Der auch an einem Dienstag als Kompensation geplante Adventsnachmittag habe deshalb nicht stattfinden können.

«Viele Lehrpersonen wollten einfach nicht mitmachen», erklärt Simon. «Der Schulpflege blieb deshalb gar keine andere Wahl als der Lohnabzug für die verpassten Lektionen», sagt die Präsidentin. Man habe sich dabei konsequent an die Vorgaben des Bildungsdepartements gehalten. Diese Massnahme kam erwartungsgemäss bei den Betroffenen überhaupt nicht gut an und das Verhältnis zwischen Schulpflege und Lehrpersonen sei dadurch belastet worden, sagt Claudia Simon. Es habe ein Gespräch am runden Tisch mit einem externen Moderator gebraucht, um die Angelegenheit endlich abschliessen zu können. Höchst erstaunt zeigt sich Simon über den Umstand, dass der Lehrerverband nun seinen Mitgliedern den abgezogenen Lohn zurückerstatten wird.

Aargauer Lehrer demonstrierten am 8. November 2016 gegen Bildungsabbau