Im Jahr 2012 hat die Kantonsregierung das Programm «Hightech Aargau» lanciert. Damit wollte sie die Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Aargau verbessern. Um das Programm weitere fünf Jahre fortführen zu können, benötigt sie einen neuen Kredit des Grossen Rates. Den beantragt sie jetzt. An einer Medienkonferenz in Aarau stellten Landstatthalter Alex Hürzeler und Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann die Botschaft dazu vor. Darin werden 27,85 Millionen Franken beantragt, das sind rund 10 Millionen Franken weniger als beim seinerzeitigen ersten Kredit.

Eine Weiterführung sei nötig, meinte Hofmann. Er verwies auf die Frankenstärke, die starke Exportabhängigkeit. Der eigene Industriestandort habe nur dann eine Chance, «wenn die Aargauer Industrie ihrer Konkurrenz auch in Zukunft eine Nasenlänge voraus ist», so der Volkswirtschaftsdirektor. Leider liege das Aargauer Bruttoinlandprodukt (BIP) unter dem schweizerischen Durchschnitt. Besonders erschreckend sei, dass es pro Kopf der Bevölkerung zwischen 2008 und 2014 im schweizerischen Vergleich am wenigsten gewachsen ist.
«Berlin» investiert 14 Milliarden

Im Bereich Innovation belegt der Aargau lediglich den achten Platz unter den Kantonen. Innovationsintensive Branchen schaffen aber Wertschöpfung und Arbeitsplätze, so der Volkswirtschaftsdirektor weiter. Es sei daher nicht verwunderlich, dass international, national sowie in vielen Kantonen teils hoch dotierte Massnahmen ergriffen werden. Allein Export-Weltmeister Deutschland investiere über 14 Milliarden Euro in seine Hightech-Strategie.

Die Kantonsregierung will an den Pfeilern ihrer Hightech-Strategie festhalten: Das sind Hightech-Forschung, Hightech-Areale, Hightech Zentrum und Hightech-Kooperation. Bildungsdirektor Alex Hürzeler bekräftigte denn auch, die Wirtschaft sei auf modernste Spitzentechnologie angewiesen. Bei Forschung und Kooperation gelte: «Ohne Forschung keine Innovation.» Hürzeler warb für den Forschungsfonds, der auf niederschwelliger Stufe den Unternehmen die Türen zu bestem Know-how und Forschungsergebnissen öffne. Damit wurden seit 2008 mit 6,4 Millionen Franken 88 Projekte unterstützt. Das habe bei den Firmen ein Projektvolumen von 20 Millionen Franken ausgelöst. Der Fonds wird jetzt auf 1,4 Millionen Franken jährlich erhöht. Auch will die Regierung einen Beitrag aus dem Swisslosfonds für die zweite Strahl-linie «Athos» des Röntgenlasers «SwissFEL» am Paul Scherrer Institut leisten.

Hilfe für Shrimps-Produzenten

Der gewichtigste Bereich betrifft das Hightech Zentrum Aargau (HTZ) in Brugg, das im Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft im Einsatz steht. Geschäftsführer Martin A. Bopp stellte Beispiele aus der Tätigkeit des Zentrums vor. So habe man etwa in einer ersten Phase bei der Finanzierung für die Firma, die in Rheinfelden Shrimps züchten will, Unterstützung leisten können. Über 90 Prozent der HTZ-Projekte seien mit KMU durchgeführt worden. Für etliche davon flossen letztes Jahr 5 Millionen Franken Bundes-Fördergelder in den Aargau. Verwaltungsratspräsident Anton Lauber legte dar, dass das HTZ weiter auf seine beiden Schwerpunkte – Nano- und Energietechnologien – setzen möchte.

Gerade im Strombereich stehe man «vor Umwälzungen und Herausforderungen, wie man sie noch nie gekannt hat». Künftig sollen die Forschungs- und Entwicklungsprojekte zusammen mit den Hochschulen nochmals deutlich gesteigert werden. Alleine die dadurch in den Aargau fliessenden Bundes-Fördergelder würden «die Kosten des Hightech Zentrum übertreffen», so Lauber. Jeder ins HTZ investierte Aargauer Franken werde eine Wirkung von etwa 10 Franken auslösen.

Heisse Debatte im Grossen Rat

Wie geht es nun weiter? Noch im März befasst sich die zuständige Kommission mit dem Geschäft, im Frühsommer kommt es in den Grossen Rat. Dort dürfte es eine heisse Debatte geben, lehnt doch die SVP-Fraktion das Geschäft ab, während die meisten Parteien wohlwollend dazu stehen.